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Plattfuß2020-06-30T23:19:12+02:00

Plattfuß

Plattfuß – Knick-Senk-Fuß – Pes plano valgus

Der Plattfuß (lat. pes planus) ist eine angeborene oder erworbene Fußfehlstellung, bei der das Längsgewölbe (die Wölbung von der Ferse zum Vorderfußballen) des Fußes eingesunken erscheint. Es kann zum Abkippen der Ferse zum Fußaußenrand hin (Rückfußvalgus) sowie auch zum Abkippen des Vorfußes zum Fußaußenrand (Abductus/to many toes) hin kommen. Im Extremfall liegt die Fußfläche vollständig auf dem Boden auf. Eine weniger ausgeprägte Form des erworbenen Plattfußes ist der Senkfuß, bei dem das Längsgewölbe nur bei Belastung des Fußes zum Boden hin durchdrückt.

Häufig sind Beschwerden am inneren Fußrand in der Gegend des Kahnbeins und zur Fußsohle hin vorhanden. Oft findet sich verdickte Hornhaut oder Rötung auf Höhe des Kahnbeins. Schmerzen auch hinter dem Innenknöchel (Verlauf tibialis posterior) oder unterhalb des Außenknöchels (lateraler Rückfuß) können entstehen. Mitunter werden Schmerzen in den Waden, in den Knien, den Oberschenkeln, in der Hüfte und im Kreuz geklagt. Beim ausgebildeten Plattfuß sind meist keine Schmerzen mehr vorhanden. In fortgeschrittenen Stadien können Sehnen reißen, die es nicht mehr schaffen, der Plattfußneigung entgegen zu wirken (tibialis posterior). Wichtige Bandstrukturen können aureißen (Spring ligament/coxa pedis).

Zu unterscheiden sind angeborene Formen (Vertikaler Talus) von kindlichen und juvenilen Formen dem flexiblen Plattfuß und dem fixierten Plattfuß (Coalitiones) und den erworbenen Formen des Pes plano valgus des Erwachsenen AAFD adult acquired flatfoot deformity.

Der kindliche hypermobile Plattfuß ist oft normal und hat eine hohe spontane Rückbildungsrate. Sportliche Kräftigung, spezielle Übungen aus dem Bereich der Spiraldynamik, stimulierende Aktiv-Einlagen und propriozeptive Einlagen können eine Verbesserung erbringen. Meist ist Einlagenversorgung erst ab dem frühestens dem 6. Lebensjahr sinnvoll und hilfreich. Zwischen dem 6. und 12-14. Lebensjahr, vor Abschluss des Wachstums, kann eine kleine minimalinvasive Operation eine Wachstumslenkung hin zum Normalfuß unterstützen wenn gemeinsam mit dem betroffenen Kind, seinen Eltern oder Betreuern der Therapeut eine nicht ausreichende Aufrichtungstendenz des Rückfußes beobachten oder wenn Schmerzen oder Kraftminderung Symptome sind.

Calcaneus stop Schraube – Sinus Tarsi spacer

Liegt ein nicht flexibler Plattfuß /rigider Plattfuß vor, finden sich häufig feste Verbindungen zwischen einzelnen Rückfußknochen, sogenannte Coalitiones. Hierbei kann es sich um knöcherne Brückenbildungen zwischen den Knochen handeln oder bindegewebig knorpelige Verbindungen. Dann kann der Fuß sich in der Entwicklung nicht ausreichend aufrichten (Coalitio talo-calcaneare, talo-naviculare). Es sind dies dann Verwachsungen zwischen Fersenbein Sprungbein oder dem Kahnbein. Erkennt man das rechtzeitig, kann eine Lösung der Verwachsungen oft kombiniert mit einer Intervention im Sinus tarsi (Calcaneus Stop/sinus tarsi spacer) eine weitere Aufrichtung ermöglichen. Anhängig von Ausmaß des Befundes, dem Zeitpunkt der Intervention und dem Schweregrad begleitender Veränderungen könne auch korrigierende Versteifungen sinnvoll sein. Auch diese können oft minimalinvasiv erfolgen.

Größere Fehlstellungen erfordern eine dreidimensionale Korrektur „Fuß-Dreifach-Knochenversetzung” (Fuß-Triple-Osteotomie) mit Verschiebung des Fersenbeinaufsatzes (medialisierende/varisierende Calcaneusosteotomie/Dwyer) nach innen, Verlängerung des Fersenbeins (laterale Verlängerungsosteotomie/Evans Osteotomie) und somit Korrektur des Fußwurzel-Vorfußes nach innen und Absenkung des Mittelfußknochens nach unten (plantarisiernde Osteotomie in Cuneiforme mediale/ Cotton). Häufig muss dann noch verkürzte Wadenmuskulatur verlängert werden (Gastrognemius Verlängerung/Gastroc Slide oder Verlängerung der Achillessehne.

Plattfuß des Erwachsenen

Häufig kommen junge Erwachsene gut mit dem Plattfuß zurecht, andere fallen durch erhöhte Ermüdung beim Gehen und Laufen auf, es gibt aber durchaus Hochleistungssportler mit einem ausgeprägten Knicksenkfuß oder sogar Plattfuß.

  • Im höheren Erwachsenenalter zeigen diese Plattfuß-Patienten Folgezustände der Deformität:
  • Hallux valgus mit hypermobilem Mittelfuß-Fußwurzelübergang und Metatarsus primus varus.
  • Hallux rigidus steifes Großzehengrundgelenk auf Grund eines hochstehenden elevierten Metatarsale 1
  • Tibialis Posterior dysfunktion TPD

Die innen hinter dem Innenknöchel verlaufende Sehne wird vermehrt beansprucht, häufig ist sie geschwollen und schmerzhaft verändert, schließlich kann sie reißen. Verbunden ist das meist mit einer zunehmenden Absenkung der Längswölbung, oft mit einem nach außen Abweichen der Fußwurzel. Den Patienten fällt eine Schwellung und Schmerzen unter und hinter dem Innenknöchel auf. Auch kann ein Extraknochen im Verlauf der Sehne am Ansatz der Sehne am Kahnbein das Os tibiale externum zu Sehnenschmerzen führen und eine Funktionsstörung des Sehnenkomplexes im Sinne einer TPD induzieren. Schmerzen im Bereich unterhalb des Außenknöchel (wo sich der Fuß so zusagen einstaucht) sind nicht selten.

Verschiedene Grade der TPD (Tibailis posterior Dysfunktion) werden unterschieden:

  • Grad 1 Reizung der Sehne
  • Grad 2 Sehnenschaden im Sinne des Partialrisses und flexibler Fehlstellung des Rückfußes
  • Grad 3 Sehnenriss und Innenbandrisse und fixierte Fehlstellung
  • Grad 4 gerissene Sehne mit fixierter Fehlstellung und Achsabweichung und Arthrose im oberen Sprunggelenk

Eine Verkürzung der Wadenmuskulatur, überdehnte Bänder in den Gelenken zwischen Keilbein Kahnbein und Sprungbein Fersenbein und Innenknöchel bis hin zu Überlastungen auf der Außenseite des Sprunggelenkes durch Knochenkontakt zwischen Wadenbein und Fersenbein bis hin zu Ermüdungsfrakturen des Unterschenkels werden beobachtet und bedürfen bei einer Operation der Beachtung und Therapie.

Der Standardeingriff setzt sich heute zusammen aus den Komponenten knöcherne Korrekturen und Weichteilmaßnahmen.

Knöcherne Korrektur:

Eine Fuß-Triple-Osteotomie mit Medialisierung des Calcaneus (OP n Gleich MCO medialisierende Calcaneus Osteotomie/Dwyer)

Verlängerung des Calcaneus Evans und einer plantarisierenden Osteotomie des ersten Strahls mit einer Cotton-Osteotomie oder bei gleichzeitigem Metatarsus primus varus bei Hallux valgus einer Lapidus-Arthrodese.

Weichteilmaßnahmen:

Die Verkürzung der Wadenmuskulatur wird durch Achillessehnenverlängerung, Gastrocslide (Verlängerung im Bereich des Sehnenspiegels) oder einer Wadenmuskulatur Fascienverlängerung OP nach Baumann) vorgenommen.

  • Die Tibialis posterior Sehne kann repariert oder entfernt werden.
  • Die Bänder im Bereich des unteren und oberen Sprunggelenkes können gerafft und verstärkt werden (spring Ligament).
  • Die Tibialis posterior Sehnen können durch den Flexor digitorum longus (langer Zehenbeuger) ersetzt/verstärkt werden.

Die Nachbehandlung führen wir meist mit einer Gipsbehandlung für 2-4 Wochen und anschließend Versorgung mit einem sog. Walker (wie Gehgips) bis Abschluss der 8. Bis 10 Woche durch. Dies ist erforderlich, um eine ausreichende Ausheilung der Weichteile und Knochen zu erzielen.

Alternativ gibt es minimalinvasive Verfahren, die bei frühen Stadien zum Einsatz kommen. Hier wird über einen Minischnitt das Fersenbein durchtrennt und nach innen verschoben in Kombination mit einem Sinus tarsi spacer, der die Bewegung im unteren Sprunggelenk blockiert.

Aktualisiert 2020: Dr. med. Imke Fröhlich

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Patientenvortrag zum Thema "Was tun bei Hallux valgus bis Hammerzeh" von Dr. Imke Fröhlich in der Klinik Josephinum Wir informieren Sie über vorbeugende konservative Behandlungen bei Fußproblemen im Alltag und was Betroffene außer Schuheinlagen noch [...]

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