Rheumafuß

Rheuma und der rheumatische Fuß

Der Begriff „Rheuma” leitet sich von dem griechischen Wort („rheo“ = ich fließe) ab. Damit ist der „fließende“ Schmerz gemeint, der im ursprünglichen Verständnis im Bereich der Gelenke, Sehnen, Muskeln und der Wirbelsäule auftritt. Unter dem Begriff „Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis” listet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile über 400 verschiedene Krankheitsbilder auf.

Die Symptome und Erscheinungsformen sind dabei sehr mannigfaltig. Patienten leiden häufig unter vielfältigen Symptomen ihrer schmerzhaften Erkrankung.

Rheuma betrifft dabei jedoch meist die Gelenke – typisch sind Schmerzen und Schwellungen, eingeschränkte Beweglichkeit, (Morgen-)Steifigkeit, zunehmender Verlust der Feinmotorik und Deformitäten der Gelenke.

Im Unterschied zu degenerativen (= durch Abnutzung entstandenen) Krankheitsbildern liegt bei den rheumatischen Erkrankungen generell ein Entzündungsprozess zugrunde, der unbehandelt auf Dauer zu schmerzhaften Veränderungen an Gelenken und auch anderen Organen führt.

Dieser Entzündungsprozess richtet sich bei diesen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gegen körpereigene Strukturen (Gelenkinnenhaut, Sehnen, Muskeln, oder auch Gefäße und innere Organe). Dabei bleibt in vielen Fällen der Auslöser für diese Fehlregulation des Immunsystems unbekannt.

Alleine in Deutschland sind etwa 1 Million Menschen davon betroffen.

Die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung ist dabei die rheumatoide Arthritis (= chronische Polyarthritis), die ca. 80% der Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis ausmacht und in jedem Lebensalter auftreten kann. Alleine in Deutschland werden pro Jahr ca. 40.000 Neuerkrankungen registriert, Frauen erkranken 3mal häufiger als Männer.

Bei rheumatischen Erkrankungen sind sehr häufig die Füße und Sprunggelenke betroffen!

Im Bereich des Fußes und der Sprunggelenke zeigen sich Auswirkungen der entzündlich-rheumatischen Erkrankung an Sehnenscheiden, Sehnen sowie der Gelenkschleimhaut (Synovialis) mit weiterem Befall der Fuß- sowie Sprunggelenke. Aufgrund des Entzündungsprozesses kommt es zu morphologischen Veränderungen an Sehnen und Gelenken, in deren Folge Sehnen geschädigt und sogar reißen können und sich in den Gelenken destruktive Arthrosen (Gelenkverschleiß) entwickeln.

Diese schmerzhaften Veränderungen bedeuten meist deutliche negative Folgen auf die Funktion des Fußes und der Sprunggelenke – die Mobilität des Patienten ist gefährdet. Gerade beim Rheumatiker ist der Erhalt der Mobilität oberstes Ziel!

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass im Krankheitsverlauf frühzeitig durchgeführte Operationen an Sehnenscheiden und Sehnen sowie an Gelenkschleimhäuten, bei denen entzündliche Veränderungen offen oder arthroskopisch entfernt werden (= Synovialektomien, Tenosynovialektomien), einen prophylaktischen Effekt aufweisen, da das sich nachbildende Regeneratgewebe eine geringere entzündliche Potenz aufweist.

Wenn Sehnen bereits deutlich geschwächt oder gerissen sind, muss eine Sehnenrekonstruktion durch Naht oder Umsetzen einer anderen Sehne (= Sehnentransfer) durchgeführt werden.

Untersuchungen zeigten auch, dass im Verlauf einer rheumatischen Erkrankung bei ca. 90 % der Frauen und 85 % der Männer destruierende Gelenkveränderungen und Deformierungen alleine im Bereich des Vorfußes zu beobachten sind.

Der Rückfuß ist in ca. 40 % der Fälle betroffen, das am häufigsten betroffene Gelenk ist das Talo-navikulargelenk. Ebenfalls sehr häufig betroffen ist das obere Sprunggelenk. Bereits nach 1 – 3 Jahren Krankheitsdauer finden sich in bis zu 60 % der Fälle arthrotische Veränderungen am oberen Sprunggelenk! Gerade für den Rheumatiker steht der Erhalt der Beweglichkeit der Gelenke im Vordergrund. Daher kommen korrigierende und rekonstruiernde Umstellungs– und Korrekturosteotomien zum Einsatz.

Gerade der endoprothetische Ersatz des oberen Sprunggelenkes (OSG-Endoprothese) ist für den rheumatischen Patienten sehr gut geeignet.

Leider kann nicht in allen Fällen das jeweils betroffene Gelenk oder der betroffene Gelenkkomplex erhalten werden und es ist eine operative Versteifung (= Arthrodese) erforderlich.


Zusammenfassend stehen uns Fußchirurgen folgende operative Eingriffe für den rheumatischen Patienten zur Verfügung:

Synovialektomien

Tenosynovialektomien

Sehnenrekonstruktionen (Sehnenplastiken)

Sehnentransfers

Rheumaknotenentfernungen

Umstellungs- und Korrekturosteotomien

Alloarthroplastiken

Resektionsarthroplastiken

Arthrodesen