Gesund Golfen Medizinjournal

GESUND GOLFEN-EXPERTE PD DR. MED. A. BURKART

Schlechter Schwung – schmerzende Schulter

Erkrankungen im Schultergelenksbereich beim Golfsport machen statistisch ca. 10  Prozent aller Golfverletzungen aus. Bei professionellen Spielern steht die Schulter in der Verletzungsstatistik hinter Handgelenk und Wirbelsäule an dritter Stelle. Dabei resultieren Schmerzen im Bereich der Schulter oftmals durch Über- oder Fehlbelastungen während des Golfschwungs. Hier ist wohl als häufigste Ursache ein gestörter Bewegungsablauf beim Ende des Aufschwungs, Impakt und Durchschwung zu finden. Zu berücksichtigen sind Vorerkrankungen der Schulter, beispielsweise aus „über Kopf-Sportarten”, wie Tennis, Volleyball, Handball oder traumatologische Ereignisse, wie Skistürze, aber auch Überbelastungen durch zu häufiges Üben oder Bewegungseinschränkungen aus anderen Gründen.

Schulter

Auch Dysfunktionen im Bereich der unteren Halswirbelsäule sowie der oberen Brustwirbelsäule (BWS) können Auslöser von Schmerzen im Bereich der Schulter-Armregion sein. Beim älteren Golfspieler bildet sich im Laufe der Jahre eine vermehrte Brustkyphose (Rund­rücken) aus, wodurch der Aufschwung eingeschränkt wird und sich besonders im Bereich des Schultereckgelenks Veränderungen und Überbelastungen einstellen können.

Begünstigt wird dies zusätzlich durch eine eingeschränkte Beweglichkeit im BWS-Bereich mit verminderter Rumpf­drehung. Der Golfer drückt dadurch den linken Arm vermehrt zum Brustkorb mit folgender Dezentrierung des Oberarmkopfes, wodurch eine Verengung und Kompression im Bereich der Ansätze der Sehnen der Rotatorenmanschette mit dem darüber liegenden Schleimbeutel entsteht. Diese regelmäßigen Fehlbelas­tungen können zu Reizzuständen bzw. einer Tendinitis des Sehnen- und Bandapparats mit Schleimbeutelentzündung führen. Das sogenannte Engpasssyndrom (Impingementsyndrom) hat sich entwickelt und bedarf einer speziellen Behandlung.

Schmerzen in der Schulter

© underdogstudios – Fotolia.com

Im Bereich der rechten Schulter kann es durch eine Fehlbelastung, insbesondere bei steif geführtem Ellbogen („fliegender Ellbogen”) zu derartigen Reizzuständen kommen, forciert durch abrupte Abbremsmanöver beim Aufschwung. Der „fliegende Ellbogen” entsteht insbesondere bei Golfanfängern im Bereich des linken Arms, da auf Grund der unterlassenen Beckendrehung beim Durchschwung die Arme alleine den Schwung ausführen und Belastungsspitzen im Bereich der Schulter entstehen.

Kommt es beim Treffmoment (Impakt) bei häufigen Schlagwiederholungen zu einem zu frühen Bodenkontakt, entstehen hierdurch ebenfalls Sehnenüberlastungen mit Entzündungen. Besonders gefährlich ist das abrupte Abstoppen z. B. beim Schlagen eines Balls im dichten Rough. Hier wird die gesamte Dynamik des Golfschwungs mit Gewichtsverlagerung und Rumpfdrehung abrupt beendet, wodurch akut Sehnenrisse entstehen können, die operiert werden müssen. Wird zusätzlich der rechte Arm vermehrt belastet, um z. B. den Ball doch noch gut zu spielen, kommt es hier zu Belastungen des Bizeps brachii mit möglichem Abriss der langen Bizepssehne.

Der fette Schlag mit abruptem Abbremsen der Schlagbewegung belastet am Schlagarm vor allem die Adduktoren (Pectoralis major, Rotatorenmanschette, vor allem Subscapularis- und die Haltemuskulatur beider Schulterblätter, vor allem Rhomboiden und Serratus). Spieler, die sehr armbetont schlagen und im Treffmoment stark überrollen, belasten in erster Linie den Bizeps als Unterarmrotator und Beuger des Ellbogengelenkes.

Burkart

Der Autor: PD Dr. med. Andreas Burkart
(Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie)
Spezialisierungen:
Schulterchirurgie – arthroskopisch und offen; Endoprothetik Schultergelenk; Knorpeltransplantationschirurgie, Sporttraumatologie (z. B. Schulterinstabilität)

Kontakt:
PD Dr. med. Andreas Burkart
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie
Orthopädie Zentrum Arabellapark
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