Gesund Golfen Medizinjournal

GESUND GOLFEN-EXPERTE DR. MED. THOMAS DEMHARTNER

Ungünstige Hüftformen begünstigen Hüftschmerzen und eine frühzeitige Hüftarthrose.

Die Drehung des Beckens ist der Motor des Golfschwungs.

Um den Hüftkopf des vorderen Beines dreht sich der Golfer im Schwung. Beim Aufschwung dreht die Hüfte des vorderen Beines nach außen, beim Durchschwung nach innen und fängt einen Großteil der Schwungenergie ab. Ist der Kopf nicht symmetrisch in der Gelenkpfanne zentriert, ist die Drehfähigkeit und Beugung des Hüftgelenkes eingeschränkt. Bei wiederholten Schwungübungen mit der typischen Beuge-/Drehbewegung kann dies zur Schädigung der Dichtung am Pfannenrand und des Hüftkopfes kommen. 

Dieses Krankheitsbild wird als Einklemmung – Impingement – der Hüfte oder als femo-ro-acetabuläres Impingement (FAI) bezeichnet. Es entsteht ein Knorpelschaden und in der Folge eine Arthrose der Hüfte. Dieses schon im frühen Erwachsenenalter auftretende Krankheitsbild wurde von unserer Forschungsgruppe um Herrn Prof. Ganz anfangs als Hüft-Impin-gement und später als Sportlerhüfte beschrieben.

Huefte

Mit unserer Operations-Methode konnte der Patient sein Hüftgelenk behalten. Durch dieses neue Verfahren wurde die Hüftgelenks-Operation weltweit revolutioniert. In den letzten Jahren gelang es uns, das früher offene chirurgische Vorgehen zu einer überwiegend minimal invasiven arthroskopischen Technik weiter zu entwickeln. Heute wird das femoro-ace-tabuläre Impingement von ausgewiesenen Spezialisten arthroskopisch, also mittels Gelenkspiegelung, behandelt. Voraussetzung für die arthroskopische Behandlung ist eine gründliche körperliche Voruntersuchung in Kombination mit einer ausführlichen Bildgebung. Diese beinhaltet sowohl das normale Röntgenbild als auch eine Kernspintomographie, um das Gelenkinnere zu beurteilen. Danach kann der Spezialist entscheiden, ob ein Hüftschmerz mit einer Gelenkspiegelung behoben werden kann.

Hueftprothese

Das innovative Kurzschaft-Prothesensystem MiniHip; die knochenerhaltende Versorgung für aktive Patienten.

Der Eingriff erfolgt unter vollständiger Betäubung. Er setzt viel Erfahrung und Präzision beim behandelnden Chirurgen voraus und ist seit einigen Jahren auch 
in Deutschland ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung von Hüftgelenksproblemen.

Die Arthroskopie (Gelenkspiegelung) ist zwar ein komplexes, aber auch ein schonendes Verfahren. Dabei sind beim Erfahrenen nur zwei bis drei kleine Einstiche nötig, um eine Kamera und notwendige Spezialinstrumente ins Gelenk einzubringen. Dies ermöglicht dem Chirurgen nicht nur den Einblick ins Gelenkinnere, sondern auch die sorgfältige Planung und Durchführung der notwendigen operativen Schritte.

Der Klinikaufenthalt bei einer Hüftarthroskopie dauert zwei bis drei Tage. Je nach dem Umfang der Behandlung ist der Patient für einen Zeitraum von 
1 bis 6 Wochen auf Unterarmgehstützen angewiesen. Die anschließende Physiotherapie ist eine sinn-volle Maßnahme, um bald wieder über den vollen Bewegungsumfang zu verfügen. Nach 6 bis 8 Wochen ist sportliche Betätigung wieder möglich. Die Rückkehr zum Golfsport kann sogar früher erfolgen, denn durch die vergleichsweise geringe Belastung des Hüftgelenkes und ein sinnvolles Maß an Bewegung ist Golfspielen eine ideale Sportart für betroffene Patienten. Durch eine Gelenkspiegelung lässt sich in vielen Fällen eine frühzeitige Arthrose des Hüftgelenkes vermeiden.

Das nicht oder zu spät behandelte Hüftimpingement ist die häufigste Ursache für eine Hüftarthrose, ein
Knorpelverschleiß an der Hüfte. Die chronische Entzündung des Hüftgelenkes führt zu einem völligen Knorpelverlust mit Aufhebung des Gelenkspaltes und Knochenanbauten im gesamten Gelenk. Wenn die konservative Therapie auch unter Einnahme von Schmerzmitteln und durch Physiotherapie nicht mehr zum Erfolg führt, ist der Zeitpunkt für den künstlichen Ersatz des Hüftgelenkes gegeben. Die heute zu erwartende Haltbarkeit von einem Hüftgelenksersatz liegt in der Regel bei 15 – 20 Jahren. Deshalb ist es naheliegend, möglichst knochensparend bei der ersten Hüftoperation zu verfahren, um bei eventuell nachfolgenden Wechseloperationen noch ausreichend viel Knochen zur Verankerung der Prothese zur Verfügung zu haben. Entscheidend bei der Hüftgelenksersatzoperation ist es, die individuelle Mechanik des Gelenkes zu berücksichtigen und so zu operieren, dass Muskeln und Bänder so schonend wie möglich behandelt werden.

Bei entsprechender minimal invasiver Technik ist durch kleine Hautschnitte eine rasche Vollbelastung und nur eine kurze Zeit an Gehstützen notwendig. Stockfreies Gehen ohne Hinken ist durch den Erhalt der Muskulatur innerhalb weniger Wochen wieder möglich. Da das künstliche Gelenk beim Golfen wenig belastet wird, können wir das Golfspielen als Sportart für Hüftendoprothesenträger allgemein empfehlen. Bewegungseinschränkungen der Hüfte bei Coxarthrose (Hüftarthrose) und nach einer Hüftoperation können durch Ausgleichstechniken beim Golfschwung kompensiert werden. So wird die Drehung des Beckens durch die Außendrehung des Fußes, enger Fußposition und Anheben der Ferse, so wie das beispielsweise der diesjährige US Master Gewinner, Bubba Watson, macht, begünstigt. Hierdurch wird die Gesamtdrehung inklusive der Schulterachse begünstigt und Stress auf Sprunggelenk, Knie, Hüfte, Wirbelsäule und Schulter in der Ausschwung- und Bremsphase reduziert.

Insgesamt ist es dem Spezialisten heutzutage also möglich, durch eine frühzeitige Untersuchung, eine Sportler- oder Golferhüfte zu erkennen und schonend zu behandeln. Damit kann das Risiko einer Früharthrose deutlich vermindert werden und Golfen in der Folge sogar therapeutisch eingesetzt werden. Aber auch in Fällen der schon entstandenen Arthrose ist durch den hochspezialisierten individuellen Gelenk-ersatz die Wiederherstellung der Schmerzfreiheit und die Rückkehr auf den Golfplatz schnell zu ermöglichen.

Die Golflegende Jack Nicklaus, selbst Hüftprothesenträger, empfiehlt im Ausschwung den hinteren Fuß mit einem Schritt zu lösen und so die beim Abbremsen des Schwunges auftretenden Kräfte besser aufzufangen und den Stress auf den Körper zu reduzieren.

Demhartner

Der Autor: Dr. med. Thomas Demhartner
ist Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie mit Praxis in Traunstein und München (OZA).
Dr. Demhartner, langjähriger Mitarbeiter von Prof. Ganz in Bern, ist Spezialist für  ar­throskopische Hüftchirurgie und  Hüftendoprothetik. Der ehemalige Zehnkämpfer spielt seit drei Jahren in seiner knapp bemessenen Freizeit Golf.

Kontakt:
Praxis für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
Priv.-Doz. Dr. med. A. Burkart
Schönfeldstr. 14 · 80539 München
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Fax: 089-28 86 27
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