Biomechanik des Golfschwungs – Basis für Überlastungsschäden des Golfspielers

Golfspielen setzt sich zusammen aus den Komponenten Golfschwung und dem Gehen. Daneben gibt es auch noch andere Aspekte im psychosozialen Bereich, die in der Gesamtbetrachtung des Sportes Golf eine wesentliche Rolle spielen. Die mentale Komponente des Spiels wie auch die Platz-Strategie sind im Wettkampf ganz wesentlich. Für den Amateurgolfer ist Golf oft Lebensinhalt und Raum des Sozialkontaktes und führt so zur Suchtkomponente des Golfens, die für den Außenstehenden unverständlich erscheint.

Bis 6 Jahre 7 – 14 15-18 19-21 22-49 50- 54 > 55 Jahre
2.796 31.803 18.282 10283 210815 70867 265258 Golfer
0,5 % 5% 3% 2% 35% 11% 43 %

In Deutschland gibt es gemäss Statistik des DGV 610 000 Golfspieler und liegt damit vor der Mitgliederzahl des Ski -und des Schwimmverbandes. Von den registrierten Golfspielern, sind 336125 54 % älter als 50 Jahre, 62% Männer , Frauen 38 % ) . Weltweit ist es der am häufigsten betriebene Sport , wobei in Kanada jeder sechste Golf (17% ) spielt während es in Deutschland nur 0,66% sind . (Quelle Golf for business)

Damit haben wir es mit einer hohen Zahl von Personen von über 50 Jahren zu tun , die Ihre degenerativen Vorschäden des Bewegungsapparates mitbringen. Auch ist hier bei eine gewisse Zahl an Sportlern zu berücksichtigen , die auf Grund des Alters und ihrer Vorschäden andere Sportarten wie Fussball, Tennis nicht mehr betreiben, weil hier dominierende Beschwerden sie dazu veranlassten sich zum weniger belastenden Golfspiel hinzuwenden. Zusätzlich nimmt die Beweglichkeit vor allem die Rotation im Bereich der Wirbelsäule ab und degenerative Veränderungen mit skoliotischen Verkrümmungen gehören zum normalen Alterungsprozess der Wirbelsäule. Auch Schulter und Hüftgelenke werden mit zunehmendem Alter weniger beweglich.

Aber auch jüngere Golfspieler berichten von Schäden , die sie sich in jungen Alter zugezogen hatten , die sie dann immer wieder während ihrer Laufbahn als Golfer mit Schmerzen begleiteten . Berhard Langer berichtet über eine Wirbelsäulenverletzung , die er sich während des Wehrdienstes bei der Bundeswehr zuzog , die während seiner Profikariere ihn immer wieder zu Pausen zwangen, ihn aber auch dazu führte regelmässig Übungen für seinen Rücken zu machen. ( Golf for ever )

Gehen besser als Fahren

Lokalisation von Beschwerden beim Golfer ( Prof. Dr. med. Oskar Schmid 1995 )

Golfverletzungen und Spielniveau

TAB. 2

Amateure Golf-Pro
Unterer Rücken 35% 24%
Ellenbogen 33% 4%
Hand, -gelenk 20% 31%
Schulter 12% 7%

Rückenbeschwerden stehen mit 35% im Vordergrund aller Beschwerden und Verletzungen (Schmid 1995), aber auch Verletzungen bzw. Überlastungsschäden mit und ohne Vorschäden finden sich an der oberen Extremität und der unteren Extremität. Der Anteil des Gehens beim Golfen führt auch zu wesentlichen Beschwerden im Bereich von Fuß und Sprunggelenk, auch wenn die Füße auf den ersten Blick am Golfschwung nicht wesentlichen Anteil haben. Gerade aber das Gehen empfiehlt sich als Sport für Personen mit kardiovaskulären Risikofaktoren und Übergewicht.

Noch weiter geht eine Studie der Universität München aus dem Jahre 2002. Dabei wurden 39 Probanden unterschiedlicher Altersgruppen während einer 18-Loch-Golfrunde unter normalen Spielbedingungen untersucht. Alle Probanden mussten sich vor dem Feldversuch einem stufenweise ansteigenden Belastungstest auf dem Laufband im Gehen unterziehen, um erstens generell die Belastbarkeit zu beurteilen und um zweitens einen Vergleichswert zu erhalten. Während der Golfrunde wurden Herzfrequenz und Laktatwerte laufend gemessen. Vor und nach dem Spiel wurde das Gewicht bestimmt und venöses Blut entnommen, um ein kleines Blutbild, den Substratmetabolismus (Fett, Protein, Glukose, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Bilirubin), den Hormon- und Elektrolythaushalt sowie muskuläre Enzymaktivitäten zu analysieren.

Anhand der Ergebnisse stellte sich heraus, dass Golfen eine aerobe ausdauernde Belastung darstellt, deren Intensität bei Senioren leistungssteigernde kardiovaskuläre Effekte erwarten lässt. Bei jüngeren Erwachsenen war dies allerdings nicht zu registrieren. Beide Spielgruppen zeigten aufgrund des zu bewältigenden Energiemehrverbrauchs um 4000 kJ/Spiel eindeutige Veränderungen im Fettstoffwechsel und Reduktionen im Insulinspiegel, was therapeutisch und in der Rehabilitation genutzt werden kann.

Es kann also festgestellt werden, dass Golfen bei zügigem Gehen über 8-10 km während 4- 5 Stunden einer Ausdauer fördernden Belastung gleichzusetzen ist, die positive Effekte auf den Stoffwechsel und die kardiovaskuläre Situation des Golfspielers hat.

Sitzt der Golfspieler im Cart und absolviert so seine Golfrunde, verpasst er diesen gesundheitsfördernden Effekt. Will man den gesundheitsfördernden Aspekt des Golfens erhalten, muss Sorge getragen werden, dass der Golfer wieder „auf die Beine kommt“ und in die Lage versetzt wird, dass er oder sie die Golfrunde wieder beschwerdefrei zu Fuß absolvieren kann. Auf die amerikanische Variante des Golfspielens ausschließlich mit Cart sollte deshalb wenn immer möglich verzichtet werden. Nicht nur die fehlende Belastung des Gehens verpasst der Golfer sondern auch die ungesunde Sitzposition im Cart ist ungünstig für den guten biomechanisch optimierten Golfschwung. Außer Frage steht, dass definitiv gehbehinderte Personen besser fahrend Golf spielen sollten als sich überhaupt nicht an der frischen Luft zu bewegen und so auch den sozialen Aspekt des Golfens zu verpassen.

Schlechtes Sitzen im Golfcart begünstigt einen biomechanisch ungünstigen Golfschwung und fördert Beschwerden nach dem Golfen

Der zivilisationsgeschädigte Mensch sitzt typischerweise mit einem dorsalgekippten Becken und ventral gebeugter Lendenwirbelsäule. Die Brustwirbelsäule ist nach vorn geneigt und die Schulterblätter protrahiert. Die Halswirbelsäule befindet sich ebenfalls in dieser Vorneigung. Die ischiocrurale Muskulatur ist verkürzt.

Übernimmt der Golfspieler diese Haltung auf den Platz, um den Ball zu schlagen, steht diese Ausgangshaltung im Widerspruch zu der anerkannt guten gesunden Haltung um einen Golfschwung auszuführen.

CSI Ansprechpositionen

Abb. : CSI Ansprechpositionen mit ungünstiger Position

Wenn ein Golfspieler einen guten und noch dazu einen gesunden Golfschwung zum Ziel hat, sollte er sich mit den biomechanischen Voraussetzungen des Golfschwungs auseinandersetzen. Zumindest sollte sein Teaching Pro und bei Beschwerden der behandelnde Physiotherapeut und Arzt gewisse Vorstellungen von den potentiell schädigenden Aspekten des Golfschwungs haben.

Biomechanik des Golfschwungs

Will man die Ursache von Überlastungsschäden gerade beim älteren und Golfer mit Vorschäden verstehen, muss man sich mit der Basis der Biomechanik des Golfens auseinandersetzen. Der Golfschwung beim Distanzschlag mit Eisen oder Hölzern setzt sich zusammen aus

  • Ansprechen
  • (Ausgangsstellung)
  • Aufschwung
  • Abschwung
  • Ballkontakt
  • Durchschwung
  • Finish

Die Ansprechposition ist die Ausgangsstellung in der der Golfer ausbalanciert auf beiden Füssen das Gewicht verteilt , die Knie leicht beugt, die Hüfte leicht beugt so dass die Lendenwirbelsäule in Abhängigkeit von der individuellen Beckenkippung in mehr oder weniger Lordose und die BWS in mehr oder weniger aufgerichteter Position darüber steht. Die Halswirbelsäule sollte nur wenig nach vorne gebeugt werden. Durch verstärkte Knie und Hüftbeugung wird eine neutrale Stellung der HWS ermöglicht. In Abhängigkeit von Körpergröße, Armlänge, Schulterbreite und Bauchumfang werden die Arme vor der Körpermitte gehalten. Der Winkel zwischen Armachse und Schlägerschaft wird beeinflusst von Lage des Schlägers in der Hand ( Schlägergriff ), Länge des Schlägerschaftes und Position des Schlägerkopfes auf dem Boden. Es ist daher leicht verständlich, dass sowohl Schlägereigenschaften wie auch die Körperposition sich gegenseitig beeinflussen. Daraus ergibt sich aber auch, dass eine Anpassung des Schlägers an die Messgrößen des Spielers im Stehen mit hängenden Armen nicht einem optimalen Anpassen des Schlägers an den Golfspieler bedeuten kann.

Es ist deshalb zu diskutieren, ob nicht der Teaching Pro – der Golflehrer im Club der ideale Partner ist, dem Golfspieler mit Unterrichtung einer für den individuellen Spieler optimalen Ansprechposition den Golfschläger mit den entsprechenden Eigenschaften anpassen sollte.

Aufschwung:
Die Ansprechposition ist die Ausgangsbasis für eine Rotation des Schultergürtels dann des Beckens gegenüber den Beinen mit Außenrotation (li.) Innenrotation (re.) in der Hüfte und im Knie. Die weiteren Ausführungen beziehen sich auf einen von rechts nach links schlagenden Golfspieler). Der Grad der Rotation des Schultergürtels gegenüber dem Beckengürtel wird auch als X Faktor bezeichnet und ist umso größer je flexibler der Golfer ist.

Aufschwung
Schulterrotation

Abb.: X Faktor –Rotation des Schultergürtels gegenüber dem Beckengürtel

Die Füße und Beine leiten diese Rotation ein zusammen mit der Aktivität der schrägen Bauchmuskulatur. Die Arme folgen dieser Rotations-Bewegung, die Hände führen eine Radialabduktion aus. Der Winkel zwischen Schultergürtel und Armen bleibt in der ersten Aufschwungphase konstant ( one piece take away ) . Erst dann erfolgt eine Rotation des Schultergürtels gegenüber dem Thorax einhergehend mit einer Pronations-Supinations-Drehung im Unterarm und Radial-Ulnar-Abduktion im Handgelenk ohne wesentliche Flexion Extension im Handgelenk.

Die vier Grundbewegungen des Golfschwunges sind

  • Rotation und wenig seitliche Verschiebung des Beckens
  • Heben und Senken der Arme
  • Winkeln und wenig Beugen der Handgelenke
  • Rotieren der Unterarme

Transition und Abschwung:
Durch Pronation des Fußes im Sprunggelenk und Überleitung der Fußbelastung vom Großzehenballen rechts auf den linken Fuß beim Rechtshänder Seitwärtsbeugung des Oberkörpers und Beckenrotation nach vorn kommt es zunächst zu einer Zunahme des Spiralmechanismus des Wirbelsäulen-Schulter-Arm-Handkomplexes.

Bei Überleitung in den Abschwung werden die Arme nach vorne und unten in die Schlagrichtung passiv durch die Körperrotation geführt, bis es durch die fortgesetzte Rotation des Beckengürtels gesteuert durch Füße und Beine zum Ballkontakt kommt (Impact)

Jack Nicklas einer der bedeutendsten Golfer aller Zeiten sagte einmal: Good foot action is the mark of an accomplished golfer. „All timing, distance, and direction comes out of the lower body with the feet leading the way,“

 

Impact (Ballkontakt)
Zum Zeitpunkt des Auftreffens des Schlägerkopfes auf den Ball befindet sich das überwiegende Gewicht auf dem linken Fuß, das linke Knie ist innenrotiert, das Becken ist nach vorne rotiert die Lendenwirbelsäule nach rechts geneigt, die Arme im Ellbogen gestreckt die Hände ulnar flektiert , links aber nicht dorsalextendiert. Der rechte Fuß befindet sich ohne wesentliche Belastung auf der Innenkante des Vorfußes bzw. der Schuhzehenkappe.

Ballkontakt

Abb.: Fussposition im Impact

Durchschwung
Der linke Fuß ist im Sprunggelenk etwas supiniert , das Gewicht auf der Außenkante je nach Spieler mehr vorn, mittig oder auf der Ferse. Das Becken rotiert weiter, die Arme sind gestreckt. Beim Abbremsen des Schwunges kommt es zur Vorwärtsflexion, Außenrotation Adduktion in der linken Schulter und rechts zur Flexion Adduktion und Innenrotation der Schulter mit einer erheblichen Translation Rotation der Schulterblätter auf dem Thorax.


Durchschwung

Abb.: Durchschwung starke Lateral-Flexion

Finish
Der Spieler steht in einer ausbalancierten Haltung mit Gewicht auf dem linken Fuß, der rechte ruht mit der Spitze des Schuhs auf dem Boden, das linke Knie befindet sich in starker Innenrotation und Extension wie auch die linke Hüfte. Das Becken ist in Schlagrichtung ausgerichtet und die LWS steht in aufrechter Position über dem Beckengürtel. Der Schultergürtel steht in Schlagrichtung nach links rotiert gegenüber dem Beckengürtel, das rechte Schulterblatt protrahiert im Schultergelenk adduziert und weniger als 90 Grad flektiert.


Finish

Abb. : Finish mit Lateral-flexion

Fehlbelastungen beim Golfschwung

Während der einzelnen Schwungphasen kann es zu typischen Überlastungen der einzelnen Körperregionen kommen.

Ansprechposition
Die starke Vorneigung in der Hüfte verursacht bei Beibehaltung während des Schwunges eine starke Seitneigung der LWS, die bei häufiger Wiederholung oder bei eingeschränkter Beweglichkeit beim älteren Spieler zur Überbelastung von Muskulatur, Facettgelenken und Bandscheiben führt.

Hyperlordosierung einerseits und andererseits Kyphosierung mit Protraktion der Schulterblätter führen zu einer Verminderung der freien Rotation beim Aufschwung. Das hat eine vermehrte frühere Armhebung und Adduktion in der Schulter mit vermehrter Belastung im Sternoclaviculargelenk, Akromioclaviculargelenk und Glenohumeral Gelenk mit entsprechenden Risiken für die Überlastungs-Schädigung der Strukturen bei häufigen Wiederholungen zur Folge.

Die Halswirbelsäule wird bei oben beschriebener kyphotischer BWS-haltung übermäßig nach vorn gebeugt. Gleitsichtbrillen begünstigen in negativer Weise die beschriebene kyphotische BWS Haltungen und können in Einzelfällen ein Mitgrund für die Epicondylitis sein.

Bei gleichzeitiger Anweisung Kopfstillhalten und Untenlassen des Kopfes während des Durchschwunges rotiert der Schultergürtel unter der HWS um deren Rotationsachse. Würde man die HWS in gleicher Weise aktiv um die Längsachse drehen, wird das Ausmaß der Rotation der HWS während des Golfschwunges mit Stillhalten der HWS deutlich . Jeder erkennt dann leicht, dass ein schnelles Links-Rechtsdrehen der HWS schädlich für alle Strukturen der HWS sein muss. Diese Erkenntnis hat auch bei den Spitzengolfern wie z.B. bei Tiger Woods dazu geführt dass sie ihren Schwung so umgestellt haben, dass die HWS Rotation in gewissem Ausmaß der Schulterrotation folgt und so der Stress auf HWS und Schultergürtelmuskulatur verringert wird.

Aufschwung
Je geringer die Rotation des BWS-LWS komplexes ist desto größer sollte die Beckenrotation sein. Verminderte Hüftrotation z.B . bei Coxarthrose kann durch vermehrte Hüft-Außenrotation ausgeglichen werden. Je weniger die Rotation aus dem Bein-Becken- Wirbelsäulen- Komplex ist, desto mehr erfolgt der Golfschwung aus dem Schulter-Arm-Handkomplex und wird somit zum Golfschlag mit den Armen. Ein zu kräftiges Festhalten des Schlägers führt zu Überlastungen im Ellbogenbereich radial oder auch ulnar.

Abschwung
Aus der Vorspannung des Aufschwunges ergibt sich der Abschwung, der bei fehlender Vorrotation in Schlagrichtung aus dem Rumpf aus dem Schulter Armkomplex kommen muss. Durch kraftvolles Festhalten des Schlägergriffes kommt es zu Überlastungen des Ellbogen bzw der dort ansetzenden Muskulatur. Beim Schlag in den Boden kann es zur Schädigung von Hand- Finger – und Daumengelenk kommen.

Golferschulter – Golferhüfte

Durchschwung
Die fehlende Rotation des Beckens hat ein frühes Anwinkeln und Adduzieren der Arme zur Folge ( Chickenwing ) mit Überlastung im Schultergürtelbereich. Das Abbremsen des Schwunges erfolgt nicht durch harmonisches Abbremsen über die gesamte Bewegungskette Fuß Unterschenkel Knie Becken LWS BWS Schulter, sondern konzentriert sich dann auf die LWS und BWS und führt bei oft zusätzlicher Kokontraktion der Rückenmuskulatur durch frühes Abbremsen des Schwunges zu Überlastungen vor allem im LWS Bereich.

Die Golferschulter entsteht durch eine übermäßige sich wiederholendende Überlastung bei falscher Schwung bzw. Schlagtechnik mit starker Adduktion im Aufschwung und starker zu früher Addukton (re.) im Durchschwung und Finish. Hier kann die Bursa subakromialis und Anteile der Rotatorenmanschette geschädigt werden. Auch der hintere Anteil der Rotatorenmanschette kann bei übermäßiger Bewegung im Ausschwung (li.) geschädigt werden.

Finish

Spieler mit hoher Translation (sway beim Ausholen nach rechts und shift beim Durchschwung nach links)) im Beckenbereich, starker Hüftbeugung in der Ansprechposition und daraus folgender Seitwärtsneigung im Durchschwung zeigen häufig eine starke Reklination (reverse C) im Finish.

Finish Reklination

Abb .: Finish mit Reklination ( reverse C )

Geoeffneter Stand

Abb: in Schlagrichtung geöffneter Stand

Dies führt zu starker Belastung der Facettgelenke und führt auch gerade bei jungen hypermobilen Spielern zu Rückenbeschwerden. Im Durchschwung und Finish ist das Knie stark belastet. Es kommt zur Anspannung des Tractus iiliotibialis und des Aussenmeniskus. Liegt eine Knieinstabilität mit fehlendem vorderen Kreuzband vor kommt es zur Translation im Kniegelenk und zu Knorpelschäden im Knie. Spieler mit einer Gonarthrose oder Coxarthrose haben ebenfalls Beschwerden in dieser Durchschwung -Finishphase. Eine verstärkte Außendrehung des Fußes in der Ansprechposition ist hier hilfreich um die Beckenrotation in Schwungrichtung zu begünstigen.

Eine Verminderung der Knie und Hüftbelastung kann auch durch Drehen auf der Ferse oder ein Schritt mit dem rechten Bein in Schlagrichtung erzielt werden. Dieses vermindert auch den Stress auf die Wirbelsäule. In diesem Zusammenhang ist auch der Rotationsschuh zu nennen, der bei zu erlernender angepasster Golftechnik die Rotationskräfte für Knie und Hüfte reduzieren kann.

Die Golferhüfte:
Schon junge Erwachsene können Beschwerden durch häufige Innenrotation mit gestreckter Hüfte bekommen. (Linke Hüfte beim Rechtshänder) Eine vorn stark übergreifende Hüftpfanne in Verbindung mit einem flachem Hüftkopf-Schenkelhals Übergang führt zu Verschleiß des Labrums der Pfanne und nach folgenden Knorpelschäden und früh auftretender Arthrose. Bei anderen Sportarten wird dieses Einklemmen (FAI femoro-acetabuläres Impingement) des Labrums durch starke Beugung und Innenrotation hervorgerufen.

Golferellbogen

Der Golferellbogen ist als Überlastung der Muskelansätze auf der ulnaren Seite ( beim Rechtshänder rechts ) beschrieben worden. Häufiger jedoch ist der sogenannte Tennisellbogen beim Golfer mit Schmerzen auf der radialen Ellbogenseite (beim Rechtshänder auf der linken Seite). Beiden Beschwerdebildern liegt immer eine komplexe Ursachenfolgekette zu Grunde. Hier muss Griffhaltung inklusive der Dicke des Griffes, Ansprechposition und der gesamte Schwung als Ursache in Betracht gezogen werden sowie auch Vorschäden im Schulter HWS und BWS Bereich.

Putten
Eine stark gebückte Haltung beim Putten mag für machen Golfer erfolgreich sein. Die Wirbelsäule wird aber weniger belastet bei aufrechter Haltung. Ein Bellyputter oder Broomstic Putter kann bei Golfern mit Rückenbeschwerden hilfreich sein. Golfspieler mit Rücken, Knie und Hüftbeschwerden profitieren von Hilfsmitteln, die das Aufheben des Golfballes erleichtern.

Beschwerden beim Gehen

Es gibt eine Vielzahl von Golfschuhen mit unterschiedlicher Sohlenbeschaffenheit. Golfer mit Fußbeschwerden sei es ein Fersensporn, Plantarfascitis, Metatarsalgie Syndrom oder Morton Syndrom profitieren von steifsohligen Schuhen mit einer bettenden Einlage. Beim Haglund-Fersensyndrom mit Verkalkungen und Achillessehnentendinose darf die Fersenkappe nicht zusätzlich die Ferse beengen. Die Verkürzung der ischiocruralen Muskulatur ist mitverursachend für diese obengenannten Degenerationserscheinungen wie Achillessehentendinose, Plantarfascitis und Metatarsalgiesyndrom.

Auch Golfer mit einem Hallux rigidus profitieren von Schuhen mit einer steifen Sohle. Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass beim Golfspielen der rechte Fuß in den Zehengrundgelenken abgewinkelt wird. Der rechte Fuß wird über die Innenseite des Vorfußes gedreht, so dass im Finish der Schuh auf der Sohlenkante und Kappe im Schuhspitzenbereich ruht. Leider dominieren ästhetische Aspekte das Schuhdesigns, so dass die überwiegende Zahl der Golfschuhe zu wenig Platz für Vorfuß mit den Zehen bieten. Dies müssen vor allem Golfspielerinnen mit einem Hallux valgus, Kleinzehenballen und Hammerzehen büßen.

Golf spielen kann gesundheitsfördernd sein. Vorraussetzung dafür ist das der Golfer hinreichend zügig geht, um einen cardiovaskulären Effekt mit entsprechender Pulsfrequenz zu erzielen.

Ein guter Golfschwung ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. Ein biomechanisch ökonomischer Schwung ist gesund und führt zu geringeren Belastungen des gesamten Bewegungsapparates.

Zudem wird hierdurch auch deutlich mehr Schlaglänge produziert, eine Tatsache, die per se leistungslimitierender Faktor Nummer 1 ist. Wer nicht weit genug schlägt, wird es sehr schwer haben im Golf ein niedriges Handicap zu erreichen. Wird der Golfschläger vorwiegend mit den Armen geschlagen, führt das zu vermehrter Belastung von Ellbogen Schulter und Wirbelsäule.

Die Behandlung von Beschwerden des Golfers sollte im Idealfall eine Verbesserung der Technik beinhalten und ist nicht auf alleinige medizinische Maßnahmen zu beschränken. Golfspieler mit Arthrose in Knie und Hüftgelenken können durch Ausweichtechniken Beschwerden vermindern. Neben diesen spielen auch die Füße und die Sprunggelenke beim Golfen eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Der am Bewegungsapparat tätige Arzt oder Physiotherapeut mit zusätzlicher golfspezifischer Ausbildung in funktioneller Anatomie und Biomechanik (GolfPhysioTherapeut) GPT kann helfen, Beschwerden zu beheben, damit die meist älteren Golfspieler wieder gut zu Fuß sind und den Effekt des Gehens zur Gesundheitsförderung nutzen können. Die Benutzung des Golfcarts sollte aus Aspekten der Gesundheitsförderung durch Golfspielen so wenig wie möglich erfolgen.

Dr. med. Christian Kinast
Orthopädiezentrum Arabellapark München
Englschalkinger Str. 12
81925 München
www.oza-m.de

Der Autor ist leidenschaftlicher Orthopäde und Unfallchirurg und spielt seit 15 Jahren Golf (aktuelles Handicap: 12,9).

Literaturnachweise:

Wolff, Roland F. Boldt, Dt. Ärzteblatt 2001 98: 2356-2360 Heft 37 Sportmedizinische Aspekte des Golfsports

Leitlinie zur Prävention Cardiovaskulärer Erkrankungen, Clin Res Cardiol Suppl 4:1-44 (2009) DOI 10.1007/s11789-009-0078-8

TopGolf – Professionelle Tipps um Ihr Golfspiel zu verbessern, ISBN 978-3-00-035399-4, SportMed-Prof.eu 2011

„Der präventive, biomechanisch optimierte Golfschwung (GPT)®“ , HOCHMUTH D./HAID. CH., 2005-2010 www.golf-physio.eu

TPI Titlist performance Institute

www.mytpi.com

Golf for ever ( 2003 ) Stephens J.T.; Pait T. G. ISBN 1-932173-06-4; Stephens Press

Von | 2018-01-24T20:45:29+00:00 11.10.2011|Golf|

Über den Autor:

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Sportmedizin, Chirotherapie, zertifizierter Fuß- und Sprunggelenkschirurg der D.A.F. und der DGOU, Unfallarzt der BG >zum Arzt