Mein großer Zeh tut weh – eine Volkskrankheit mit mehr als 10 Millionen Betroffenen

Der Hallux valgus, auch Ballenzehenschmerz genannt, bezeichnet die Schiefstellung der Großzehe im Grundgelenk nach außen hin. Der dazugehörige Mittelfußknochen und der Mittelfußkopf, der „Zehenballen“ an der Fußinnenseite stehen deutlich hervor. Meist die Folge von hohen Schuhen.

Fußexperte Dr. Christian Kinast, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, zeigt auf:

„Das Problem des hohen Schuhes, des Highheels ist, dass man erstens, die ganze Körperbelastung auf dem Vorfußballen trägt, das ist im Bereich des fünf- bis siebenfachen des Körpergewichtes anzusiedeln. Zweitens, dass die gesamte Abrollmechanik verändert wird, was auch wieder zur Belastung der Kleinzehengrundgelenke führt“. Kaputte Zehen, verkürzte Bänder – wo können Betroffene selbst noch etwas tun, wann muss operiert werden und wie geht es dann weiter?

Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Schmerzen im Vorfuß und Sprunggelenk von Dr. med. Christian Kinast:

Wie kann ich als Laie Großzehenschmerzen zuordnen?
Dr. Kinast: Wenn bereits beim Tragen hoher Schuhe bzw. von nicht bequemen Schuhen, ein Schmerzgefühl auftritt. Oder, wenn sich dieses Schmerzempfinden beim Ausziehen der Schuhe als auch anhaltend danach fortsetzt und sich eine leichte Vorwölbung im Bereich des Großzehenknochens zeigt, die Haut gerötet ist oder der Großzeh eine leichte Biegung bereits angenommen hat.

Was sind die Ursachen für Großzehenschmerzen?
Dr. Kinast: Schmerzen im Gelenk der großen Zehe haben meist zwei Ursachen: Entweder eine Fehlstellung der Großzehe, Hallux valgus genannt, oder Arthrose durch Abnutzung der Großzehe, Hallux rigidus (Lateinisch „steif“)  genannt. Hallux valgus (vom Lateinischen „nach außen gekrümmte und/oder gebogene, sogenannte X-Stellung von Gliedmaßen“) ist eine krankhafte Veränderung am Fuß, bei der die große Zehe in Richtung der anderen Zehen abgewinkelt ist. Ursache für den Hallux valgus ist oft eine genetische Veranlagung zum Senkspreizfuß, aber auch modische Schuhe mit beengtem Fußraum und hohen Absätzen wirken sich negativ aus und fördern die Hallux valgus-Fehlstellung.

Was kann ich selbst gegen Großzehenschmerzen tun?
Dr. Kinast: Im Anfangsstadium kann Hallux valgus noch ohne OP behandelt werden. Dazu zählen die Umstellung auf andere Schuhe, Fußgymnastik, Barfuss laufen und  Schienen.

Was heißt Operation an der Großzehe?
Dr. Kinast: Im fortgeschrittenen Stadium kann die Fehlstellung nur noch operativ korrigiert werden. Bei der Operation wird der Knochen operativ wieder in die korrekte Stellung gebracht und stabilisiert. Der erste Mittelfußknochen wird bei dieser Operation korrigiert, um eine Geradestellung der Großzehe zu ermöglichen. Die moderne Fußchirurgie korrigiert die Fehlstellung mit individuell angepassten Methoden. Zur Verfügung stehen minimal-invasive Verfahren über mm-kleine Schnitte bis hin zu offenen Verfahren wobei nach der Knochendurchtrennung mit sich auflösenden „Zuckerschrauben“,Metallschrauben oder Titanplatten so stabilisiert wird, dass lange Entlastungszeiten ausbleiben. Kommt zum Hallux valgus gleichzeitig auch noch eine Arthrose im Großzehengrundgelenk hinzu, kann das bis zum Gelenkersatz führen.  Das gilt auch für das Sprunggelenk.

Was passiert bei einer Sprunggelenksoperation?
Dr. Kinast: Wenn bei einer Arthrose die konservativen Therapiemöglichkeiten erschöpft sind, gibt es zwei operative Methoden: Die Versteifung oder eine Prothese. Wir haben jetzt eine über zehnjährige positive Erfahrung mit dem Ersatz des oberen Sprunggelenks durch Endoprothesen. Für die Patienten ist das in der Regel die bessere Lösung, da die Bewegungsfähigkeit erhalten bleibt. Diesen Trend bezeichnen wir als „bewegen statt versteifen“ Die Operationstechnik erfordert vom Chirurgen höchste Feinarbeit und Erfahrung, weshalb sie nur in wenigen spezialisierten Fußzentren zur Anwendung kommt. Das Implantat selbst, das etwa drei Zentimeter breit und vier Zentimeter lang ist, wird während eines ein- bis zweistündigen Eingriffs in der Knöchelgabel verklemmt und fixiert. Für Verträglichkeit und vor allem Haltbarkeit des Gelenkersatzes sorgen High Tech-Verfahren, die ein Einwachsen in die knöchernen Strukturen ermöglichen. Nach einer jeweils etwa sechswöchigen Ruhigstellungs- und anschließenden Rehabilitationsphase können die Patienten mit ihrer Prothese durchaus auch wieder Sport wie Skifahren oder Golf betreiben. Auf extreme Belastungen sollte jedoch verzichtet werden.

Was passiert nach der Operation?
Dr. Kinast: Wichtig ist die frühe Mobilisation, wenn immer möglich, unter stockfreier Vollbelastung, damit ein normales Gehen früh wieder hergestellt werden kann. Nach 6 Wochen ist in der Regel der Knochen so weit gefestigt, dass barfuss gehen wieder möglich ist. Sportliche Betätigung kann man im allgemeinen nach 6 Wochen wieder aufnehmen. Bis zur vollen Belastungsfähigkeit unter sportlichen Bedingungen kann es 3 Monate dauern. Der Fuß erlangt erst nach 1 bis 2 Jahren wieder seinen endgültigen Zustand. Wird der Fuß in dieser Zeit wieder über Gebühr beansprucht, kann es zu einem Wiederauftreten von Fehlstellungen kommen. Wichtig ist eine gute und ausreichend frühe und konsequente krankengymnastische Nachbehandlung. Enge Highheels sind aber immer Gift für jeden Fuß. Man sollte deshalb die Tragezeit der Highheels so kurz wie möglich halten, ausgleichende Kräftigungsübungen durchführen und den Füssen auch mal Schonzeit in gesunden Schuhen gönnen.

Profil: Dr. Christian Kinast
Zentren für Fuß und Sprunggelenkschirurgie im Orthopädie Zentrum Arabellapark, im Isar Medizin Zentrum, München sowie in der ATOS Privatklinik München. Dr. Kinast genießt als Operateur auf dem Gebiet der Sprunggelenks- und Fußchirurgie eine hervorragende Reputation. Behandlungsschwerpunkt ist die konservative und operative Versorgung von Erkrankungen und Verletzungen des Fußes/Sprunggelenkes inkl. Prothetik. Weitere Schwerpunkte sind Sprunggelenksarthrose und -instabilität, Knorpelersatzoperationen, Platt- und Hohlfußkorrekturen sowie Vorfußkorrekturen und Sehnenrekonstruktionen.
Mit der chirurgischen Tätigkeit und Erfahrung seit dem Jahre 1993 und über 1.500 Operationen pro Jahr mit seinem Kollegen Prof. Hamel im Team gilt Dr. Kinast bei Patienten, Kollegen als auch in den Medien als etablierter und ausgewiesener Experte von Fußerkrankungen bis zu fußchirurgischen Eingriffen. Auf nationalen wie internationalen Kongressen und Symposien hat sich Dr. Kinast mit Fachvorträgen zur Fußchirurgie etabliert. Dr. Kinast steht als International Member der American Foot and Ankle Society, als International Member der American Academy of Orthopedic  in ständigem Austausch mit führenden Kollegen der Fußchirurgie in USA.

Kontakt:
Dr. med. Christian Kinast
Zentrum für Fuß und Sprunggelenk
Orthopädie Zentrum Arabellapark München
Englschalkinger Str. 12
81925 München
Tel.: +49 (0)89 / 99 90 97 80
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